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Effektiv Englisch lernen: Praxisnahe Tipps und Strategien für Deutschsprachige

🇺🇸 English · for 🇩🇪 German speakers ·

Einleitung: Wie du als Deutschsprachige:r effektiv Englisch lernst

Englisch zu lernen ist für Deutschsprachige einerseits leichter (ähnliche Wörter, gleiche Schrift), andererseits tricky (Aussprache, Zeitformen, Wortstellung). In diesem Leitfaden bekommst du konkrete Strategien, Beispiele und Formulierungen, die du direkt anwenden kannst.

1. Realistische Ziele setzen und Lernroutine aufbauen

1.1 Konkrete, messbare Ziele

Statt „Ich will besser Englisch sprechen“ formuliere klare Ziele:

  • Kurzfristig (4 Wochen): „Ich kann mich auf Englisch vorstellen und 5 Sätze über meinen Beruf sagen.“
  • Mittelfristig (3 Monate): „Ich kann ein 5-minütiges Gespräch über Hobbys führen.“
  • Langfristig (6–12 Monate): „Ich kann einfache Meetings auf Englisch verstehen und kurze Beiträge leisten.“

1.2 Mini-Lernplan für jeden Tag (15–30 Minuten)

Beispiel für 30 Minuten pro Tag:

  • 10 Minuten Wortschatz: z.B. mit Karteikarten oder App
  • 10 Minuten Hören/Lesen: kurzer Podcast, YouTube-Video oder Artikel
  • 10 Minuten Sprechen/Schreiben: laut nachsprechen, Tagebuch, Sprachnachricht an Tandem-Partner

2. Wortschatz: Weniger pauken, mehr anwenden

2.1 Lerne Wörter in typischen Kombinationen (Chunks)

Deutschsprachige lernen oft isolierte Wörter. Effektiver ist es, Chunks (fertige Bausteine) zu lernen.

Beispiele:

  • to make a decision – eine Entscheidung treffen
  • to take a break – eine Pause machen
  • I'm looking forward to... – Ich freue mich auf ...
  • As far as I know, ... – Soweit ich weiß, ...

Schreibe dir immer ganze Sätze auf, z.B.:

  • I'm looking forward to the weekend. – Ich freue mich auf das Wochenende.
  • Can I ask you a question? – Kann ich dir/Ihnen eine Frage stellen?

2.2 Themenbezogene Wortlisten

Statt „bunte Mischungen“ lerne Wortschatz nach Themen, z.B. „Büro“, „Reisen“, „Alltag“.

Beispielthema: Im Büro

  • appointment – Termin
  • deadline – Frist, Abgabetermin
  • to schedule a meeting – ein Meeting planen
  • to reschedule – verschieben (einen Termin)

Beispielsätze:

  • We have a tight deadline. – Wir haben eine knappe Frist.
  • Can we reschedule the meeting? – Können wir das Meeting verschieben?

2.3 Wiederholung mit System (Spaced Repetition)

Nutze Apps oder Karteikarten mit abgestufter Wiederholung. Wiederhole neue Wörter z.B. nach 1 Tag, 3 Tagen, 1 Woche, 1 Monat.

3. Aussprache: Typische Fallen für Deutschsprachige

3.1 Problemlaute: th, w, v, r

  • th wie in think – nicht wie „s“ oder „z“
    think – denken
    thank you – danke
  • w wie in water – englisches „w“ klingt eher wie deutsches „u“ + „w“
    water – Wasser
    window – Fenster
  • v wie in very – stimmhaft, nicht wie deutsches „w“
    very good – sehr gut

Übe Minimalpaare:

  • think (denken) – sink (Spüle, versinken)
  • wine (Wein) – vine (Weinrebe)

3.2 Wortbetonung

Im Englischen ist die Wortbetonung wichtig für das Verständnis.

  • PREsent (Substantiv) – Geschenk
  • to preSENT (Verb) – präsentieren

Höre bewusst hin und sprich laut nach: Podcasts, Serien, YouTube.

4. Grammatik: Auf das Wesentliche konzentrieren

4.1 Zeitformen, die du wirklich brauchst

Fokussiere am Anfang auf diese Zeiten:

  1. Simple Present (Gegenwart, Routinen)
    I work in Berlin. – Ich arbeite in Berlin.
    She likes coffee. – Sie mag Kaffee.
  2. Present Continuous (jetzt gerade)
    I am working right now. – Ich arbeite gerade.
    We are having lunch. – Wir essen gerade zu Mittag.
  3. Simple Past (abgeschlossene Vergangenheit)
    I visited London last year. – Ich habe London letztes Jahr besucht.
    She called me yesterday. – Sie hat mich gestern angerufen.

4.2 Typischer Deutscher Fehler: „I become“

Viele übersetzen „bekommen“ falsch mit to become. Richtig ist:

  • to get – bekommen
  • to become – werden

Beispiele:

  • I got an email. – Ich habe eine E-Mail bekommen.
  • He became a doctor. – Er wurde Arzt.

4.3 Wortstellung im Satz

Englisch ist relativ strikt: Subjekt – Verb – Objekt.

  • I often drink coffee in the morning.
    Ich trinke morgens oft Kaffee.
  • We usually have dinner at seven.
    Wir essen normalerweise um sieben zu Abend.

Adverbien wie often, usually, always stehen meist vor dem Vollverb:

  • I always get up at 7. – Ich stehe immer um 7 auf.
  • She usually goes to work by bus. – Sie fährt normalerweise mit dem Bus zur Arbeit.

5. Hören und Sprechen: Aktiv statt passiv

5.1 Aktives Hören mit kurzen Inhalten

Nutze kurze Videos (2–5 Minuten) oder Podcasts und arbeite aktiv damit:

  1. Höre einmal ohne Text und notiere Stichwörter.
  2. Höre mit Englisch-Transkript.
  3. Markiere neue Wörter und Phrasen.
  4. Sprich interessante Sätze laut nach (shadowing).

Beispielsatz zum Nachsprechen:

  • Could you say that again, please? – Könnten Sie/kannst du das bitte nochmal sagen?

5.2 Sprechangst überwinden mit „Notfall-Sätzen“

Lerne ein paar Standard-Sätze, um im Gespräch Zeit zu gewinnen:

  • Let me think for a second. – Lass mich kurz nachdenken.
  • How do you say that in English? – Wie sagt man das auf Englisch?
  • Sorry, I didn’t catch that. – Entschuldigung, das habe ich nicht verstanden.
  • Could you speak more slowly, please? – Könnten Sie/kannst du bitte langsamer sprechen?

6. Schreiben: Kurz, klar und einfach

6.1 Kurze Sätze statt deutscher „Monster-Sätze“

Im Englischen sind kürzere Sätze oft besser. Zerlege lange deutsche Sätze.

Typisch Deutsch:
Ich schreibe Ihnen, weil ich mich für die Stelle interessiere, die Sie auf Ihrer Website ausgeschrieben haben.

Besser auf Englisch:

  • I am writing to you because I am interested in the position. – Ich schreibe Ihnen, weil ich mich für die Stelle interessiere.
  • I saw it on your website. – Ich habe sie auf Ihrer Website gesehen.

6.2 Nützliche Standard-Phrasen für E-Mails

  • Formal, Beginn:
    Dear Sir or Madam, – Sehr geehrte Damen und Herren,
    I am writing to enquire about... – Ich schreibe, um mich zu erkundigen nach ...
  • Halb-formal:
    Dear Mr Smith, – Sehr geehrter Herr Smith,
    Thank you for your email. – Vielen Dank für Ihre E-Mail.
  • Schluss:
    I look forward to hearing from you. – Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.
    Best regards, – Mit freundlichen Grüßen,

7. Typische Fehler von Deutschsprachigen – und wie du sie vermeidest

7.1 Falsche Freunde (False Friends)

  • actual – tatsächlich (nicht: aktuell)
    the actual problem – das eigentliche Problem
  • eventually – schließlich, irgendwann (nicht: eventuell)
    We will get there eventually. – Wir werden irgendwann dort ankommen.
  • chef – Koch/Köchin (nicht: Chef)
    He is a chef. – Er ist Koch.

7.2 Direkte Übersetzungen vermeiden

Statt wörtlich zu übersetzen, lerne die typische englische Formulierung.

  • Deutsch: „Ich drücke dir die Daumen.
    Englisch: I'll keep my fingers crossed for you.
  • Deutsch: „Gute Besserung!
    Englisch: Get well soon!

8. Motivation halten: Englisch in deinen Alltag integrieren

8.1 Kleine Gewohnheiten statt großer Vorsätze

  • Stelle dein Handy auf Englisch (settings – Einstellungen).
  • Schau Serien mit englischen Untertiteln.
  • Folge englischsprachigen Kanälen zu deinen Hobbys.

8.2 Fortschritt sichtbar machen

  • Führe ein kleines Lern-Tagebuch auf Englisch (3 Sätze pro Tag).
  • Nimm einmal im Monat eine Sprachnachricht auf und vergleiche dich mit früher.
  • Markiere neue Wörter, die du wirklich benutzt.

Fazit: Schritt für Schritt – aber konsequent

Effektiv Englisch zu lernen bedeutet nicht, jeden Tag stundenlang zu büffeln, sondern regelmäßig und zielgerichtet zu üben. Konzentriere dich auf nützliche Phrasen, klare Aussprache, die wichtigsten Zeitformen und integriere Englisch in deinen Alltag. Mit kleinen, konstanten Schritten wirst du merken: English is not that hard after all. – Englisch ist eigentlich gar nicht so schwer.