Der Morgennebel bedeckte den Rigi wie eine weiche Decke. Die Schweizer Alpen sahen aus wie ein magisches Traumland. Polly, ein grüner Papagei, schüttelte ihre Federn in der kalten Bergluft. Der Zahnradzug hielt mit einem lauten Stöhnen an der Station Rigi Kulm.
"Verdammt!" fluchte jemand auf Schweizerdeutsch. Durch den Nebel sah Polly einen Mann, der sich über ein riesiges Messinginstrument beugte. Es war ein Alphorn, fast vier Meter lang.
Der Mann hatte graue Haare und trug eine traditionelle bestickte Weste. Seine Hände zitterten, als er zu spielen versuchte, aber es kam nur ein schwacher Ton heraus.
"Siebenunddreißig Jahre spiele ich schon," sagte er zu sich selbst. "Und jetzt, wo es am wichtigsten ist..."
Polly flog zu einem nahegelegenen Zaunpfosten. "Was ist am wichtigsten?" fragte sie in perfektem Schweizerdeutsch.
Der Mann ließ fast sein Alphorn fallen. "Ein sprechender Papagei? Ich bin Kaspar Brunner, aber mein Name wird mir nach Samstag nichts nützen."
"Ich bin Polly," antwortete sie. "Was passiert am Samstag?"
Kaspars Schultern sanken. "Das Eidgenössische Alphornfestival. Musiker aus drei Ländern werden hierher kommen. Ich sollte ein Stück uraufführen, das ich seit fünf Jahren schreibe, aber..." Er berührte seine Kehle. "Die Ärzte nennen es Musiker-Dystonie. Meine Stimmbänder frieren ein, wenn ich nervös bin. Ohne richtige Atmung kann ich das Alphorn nicht spielen."
Der Nebel hob sich und zeigte dreizehn wunderschöne Seen darunter. Aber Kaspar konnte die Schönheit nicht sehen wegen seiner Traurigkeit.
Polly dachte sorgfältig nach. Das Alphorn war für Kaspar nicht nur ein Instrument – es war ein Teil seiner Seele.
"Zeig mir deine Komposition," sagte Polly.
Kaspar zog ein altes Lederjournal heraus. Die Seiten hatten Musiknoten, gemischt mit seltsamen Symbolen: Spiralen, Bergformen und winzige Wolkenzeichnungen.
"Es ist mein eigenes System," erklärte er stolz. "Jedes Symbol zeigt nicht nur eine Note, sondern auch eine Emotion oder Erinnerung aus den Bergen."
Während Polly die Musik studierte, begann sie, einen cleveren Plan zu schmieden.