Polly kam am späten Vormittag über die Bucht von Neapel herein. Das Wasser hatte die Farbe von grünem Glas. Der Vesuv thronte auf der anderen Seite der Bucht, teilweise von Dunst verdeckt. Die Luft roch nach Salz und Diesel von den Fischerbooten.
Sie folgte der Küstenlinie. Sie konnte Wäsche sehen, die von Balkonen hing, und Motorroller in den Straßen.
Ihr Ziel war ein altes Gebäude am Wasser. Eine kleine Messingplakette trug die Aufschrift STAZIONE ZOOLOGICA ANTON DOHRN, GEGRÜNDET 1872.
Polly kannte diesen Ort. Er war von einem deutschen Zoologen namens Anton Dohrn gegründet worden. Die Bucht von Neapel ist eines der reichsten Meeresökosysteme Europas. Das Institut erforscht seit 1873 Oktopusse. Es ist das älteste noch arbeitende Meeresbiologie-Institut der Welt.
Sie setzte sich auf das Geländer. Eine junge Forscherin in einem marineblauen Laborkittel schloss die Hintertür auf. Sie sah Polly und lächelte. "Komm rein."
Das Gebäude roch nach Meerwasser. Lange Korridore führten zwischen Räumen voller Aquarien hindurch. Durch die Glaswände sah Polly Sardinen, einen kleinen Oktopus in einer Ecke und einen Seehasen auf einem Tangblatt.
Read it. Then say it.
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Die Forscherin hieß Chiara Bianchi. Sie studierte seit neun Jahren die Kognition von Kopffüßern. "Die Oktopusse sind die klügsten Tiere hier", sagte sie. "Oder zumindest die klügsten, von denen wir sicher sind, dass sie bewusst sind."
Sie kamen zu einem hohen runden Becken. Eine Karte an der Seite trug die Aufschrift PASTA, 2,3KG, GPO. Drinnen, eingerollt in ein Stück Plastikrohr, war ein riesiger Pazifischer Oktopus. Acht Arme waren ordentlich um sich selbst gewickelt. Ein goldenes Auge beobachtete durch das Glas.
Chiara stellte ihren Kaffee ab. "Pasta", sagte sie, "das ist Polly."
Der Oktopus bewegte sich nicht. Aber sein Auge blieb auf Polly gerichtet.
"Du kannst dich auf den Rand setzen", sagte Chiara. "Sie wird dich nicht nass spritzen. Sie ist morgens ruhig. Nachmittags wird sie clever."